Dieses ist die am meisten gestellte Frage. Gleichzeitig ist das eine der Fragen, die ich eigentlich nicht beantworten kann. Ein Vergleich sei erlaubt: Sie kaufen sich ein Auto und fragen dann den Hersteller, wie man damit fährt. Daß der Ihnen die Frage nicht beantworten kann, ist klar. An anderen Stellen wie z.B. Brandführung habe ich schon sehr viele Hinweise gegeben wie man brennt. Der Regler hat die meisten Brandführungen abgespeichert. Wie Sie nun in Ihrer individuellen Situation brennen müssen oder wollen, hängt wesentlich von dem Material ab, daß Sie benutzen und welches Ziel Sie anstreben. Die Grenzen, die der Ton oder die Glasur vorgeben, erfahren Sie im Fachhandel. Diese Grenzen sollten Sie auch sehr ernst nehmen. Wenn Sie den Ton überfeuern, z. B. durch zu lange Haltezeiten, verformt der sich, wird schlimmstenfalls flüssig und läuft wie Lava durch den Ofen. Überhitzte Glasuren laufen wie Wasser vom Scherben ab. Die allermeisten Leute brennen bei 1060°C. Schrüh- und Glasurbrand auf derselben Temperatur. Früher hat man bei 950°C geschrüht. Dazu fahren Sie den Ofen auf 120°C/h an. Das ist bei uns als Programm 1 gespeichert. Allso ein sehr betriebssicheres Universalprogramm. Wenn Sie Ihre Gefäße fester brennen wollen oder Gatenkeramik herstellen, fahren Sie auf 1100°C bis 1130°C. Das reicht meistens. Dann sind die Gefäße schon einigermaßen dicht und klingen auch schon ganz anders. Aber Vorsicht: es gibt Massen, die in diesem Temperaturbereich schon an der Grenze sind! Wollen Sie noch höher brennen, denken Sie daran, daß sie keinen Gasofen haben. Die Technologie bezahlbarer Elektroöfen läßt nicht viel mehr als 1200°C zu. Tasten Sie sich an höhere Temperaturen sehr vorsichtig heran, weil die langsame Aufheizgeschwindigkeit in diesem Bereich wie eine extreme Haltezeit wirkt. Wenn der Brennofen laut Typenschild oder Prospekt 1260°oder 1320°C macht, sind das zunächst Zahlen, die den Brennofen betreffen und von denen Sie nicht wissen, unter welchen Bedingen die entstanden sind. Daß Sie Ihr Brenngut damit behandeln sollen oder dürfen, sagt das nicht aus! Fragen Sie in Ihrer Tonquelle, wie die das Material brennen, das sie Ihnen verkaufen oder fragen Sie jemanden, von dem Sie wissen, daß der tatsächlich dasselbe Material brennt und Ihnen auch die Wahrheit erzählt. Der Ofenhersteller kennt Ihre individuelle Situation nicht und ist aus haftungsrechtlichen Gründen gezwungen, sich mit konkreten Aussagen zurückzuhalten. Denken Sie da wieder an den Autohersteller, den Sie fragen, wie schnell Sie fahren dürfen. Wenn der klug ist, antwortet er mit der Gegenfrage: in welcher Kurve, bei welchen Wetterverhältnissen?